Bei wechselhaftem, aber dennoch fast idealem Wetter fand am Samstag und Sonntag des Pfingstwochenendes das große Reitturnier in Reichelsheim statt.
Die Verantwortlichen bangten in den Tagen vor dem Turnier. Die Regenwasservorräte waren aufgebraucht und kein Regen in Sicht. Auf „staubtrockenen“ Plätzen ist kein Turnier möglich. Die Tage vor dem Turnier brachten die Wende: Ausreichend Regen für die Plätze und die Zisternen! Und an den beiden Turniertagen gab es noch ein wenig „Bewässerung“ von oben für das Gelände. „Der Verein kann die Anforderungen auf Grund der klimatischen Veränderungen nicht ignorieren. Das sportliche Highlight unseres Vereins im Jahreslauf muss heute die Umweltbedingungen beachten. Wir sind sehr froh, dass das auch in diesem Jahr wieder gepasst hat“, betont der stellvertretende Vereinsvorsitzende Eckhard Sandrock. „Die Verlegung des Turniers vom September in den Frühsommer hat sich wieder bewährt.“
Abgesehen von den ökologischen Aspekten ist natürlich die sportliche Seite des Turniers am Wichtigsten.
Mit ca. 350 Nennungen von Reitern aus zahlreichen Vereinen aus Hessen und angrenzenden Bundesländern war das Turnier wieder gut besucht. Besonders in der Dressur gab es ein großes Starterfeld. Wettbewerbe aller Klassen bis zur S-Klasse hatten viele Teilnehmende. Die Springwettbewerbe bis zur L-Klasse konzentrierten sich auf die beiden Nachmittage.
Im Verlauf des Wettbewerbs wurden der älteste und der jüngste Teilnehmer des Turniers geehrt: Jascha Fin Herrlein vom gastgebenden Verein, der mit 4 Jahren jüngste Teilnehmer, war in der Führzügelklasse angetreten und der älteste Teilnehmer, Wolfgang Rieß aus Altenstadt, in mehreren Springwettbewerben bis zur Klasse A** und beim Jump-and-run-Wettbewerb.
Der RFV Reichelsheim hatte die erfolgreichste Kindermannschaft aufgeboten. Die erfolgreichste Reiterin des Turniers war Lena Marie Sommer, ebenfalls vom gastgebenden Verein.
Ein besonderer Publikumsmagnet war wieder der abschließende „Jump-and-run“-Wettbewerb. Der Hindernisparcours war paarweise – zuerst zu Pferd und danach von einer zweiten Person zu Fuß zu bewältigen. Zum ersten Mal waren die Teilnehmenden kostümiert und neben den Schnellsten wurden auch die besten Kostüme prämiert.
Danach waren Abschiede angesagt: Ein kleiner Filou vom RFV Reichelsheim wurde nach 18 Jahren im Turniersport „in den Ruhestand“ verabschiedet. Er wird dem Verein noch weiter als Schulpferd zur Verfügung stehen. Die Zeit sportlicher Wettbewerbe ist für ihn aber beendet.
Die zweite Verabschiedung galt Rita und Alfred Ketelaer. Rita hat den Verein etwa ein viertel Jahrhundert lang geführt und gemeinsam mit ihrem Mann unendlich viele Arbeitsstunden in den Aufbau und die Erhaltung des Vereinsgeländes und des Vereins gesteckt. „Wir wissen gar nicht, wie wir das schaffen sollen ohne deine Erfahrung und deine Tatkraft“, wandte sich Eckhard Sandrock besonders an Rita. „Zum Glück seid ihr ja noch nicht ganz weg. Solange ihr noch in Reichelsheim seid, hoffen wir auf eure weitere Unterstützung! Auch dieses Turnier wäre ohne euch nicht so weitgehend reibungslos und erfolgreich verlaufen.“ Ulf König, ein treuer und erfolgreicher Turnierteilnehmer und Freund von Ketelaers, war zu dieser Verabschiedung extra aus der Pfalz angereist, obwohl er krankheitshalber am Turnier nicht aktiv teilnehmen konnte. Er fand berührende Abschieds- und Dankesworte für Ketelaers und andere Aktive. Das Schlusswort hatte Rita Ketelaer, indem sie sich für die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren bedankte und dem Verein für die Zukunft, ohne ihre führende Mitarbeit, einen guten weiteren Weg und viel Erfolg wünschte. Gemeinsam mit Eckhard Sandrock stellte sie fest, dass das Turnier wieder ohne schwerwiegende Unfälle und andere „Katastrophen“ abgelaufen sei. Wie um das zu bekräftigen, ging kurz nach dem Turnierende der erste tüchtige Platzregen des Wochenendes nieder, der noch eine Stunde vorher das Turnier erheblich beeinträchtigt hätte.